Impact Investing – ein wichtiges Zukunftsthema für den Markt nachhaltiger Geldanlagen

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen hat bereits 2022 das „FNG-Spezial: Impact“ veröffentlicht. An Nachhaltigkeit interessierte Finanzmarktteilnehmer aus Theorie und Praxis setzten damit erstmals im DACH-Raum Marktstandards zum Thema „Impact Investing“.


FNG-Spezial: Impact in der (Finanz) Praxis

Der Leitfaden „Impact in der Praxis“ wurde in einer eigens eingerichteten Arbeitsgruppe im Forum Nachhaltige Geldanlage erarbeitet. Nach einem theoretischen Überblick über den aktuellen Stand des wissenschaftlichen Diskurses zum Thema Impact bietet die Publikation interessierten Investoren einen Leitfaden durch verschiedene Assetklassen sowie einen Ausblick. Besonders interessant: konkrete Beispiele, wie Impact erzielt und dieser – ganz wichtig! – gemessen werden kann.

Impact Investing: Was ist das eigentlich?

Es gibt kaum mehr Finanzmarktteilnehmer, die nicht von sich behaupten, positiven „Impact“ zu bewirken. Doch ohne einheitliche Definition und ohne Marktstandards sind die regelmäßig publizierten Wachstumszahlen im „Impactsegment“ schlicht nicht aussagekräftig.

Ziel der FNG Arbeitsgruppe Impact war es daher, einen Austausch zwischen verschiedenen Stakeholdern zu ermöglichen, um mehr Klarheit zu schaffen. Erstmals wurden zudem Praxis-Standards rund um die Erzielung und Messung positive Wirkung definiert.

Zur Orientierung dienen die 17 Sustainable Development Goals (SDGs) – für deren Zielerreichung sollen Impact Investoren Transformationsbeiträge leisten.

Offenlegungs-Verordnung

Das Thema „Wirkung von Investments“ ist auch der EU ein Anliegen, ist die Finanzbranche doch ohne Zweifel ein immenser Hebel, wenn es um den Einsatz von Geldmitteln für Wirkung geht.

Die EU-Offenlegungsverordnung (OFF VO) verfolgt in diesem Zusammenhang das Ziel, zu konkretisieren, was politisch gewünscht wird: Die Verordnung zielt dabei sogar regelrecht auf „Impact Investments“ ab, musste dann aber – wohl auch aufgrund des „work-in progress-Status“ vieler Themen – doch vage bleiben.

 Immerhin: im Unterschied zu Artikel 8 Fonds, die lediglich „Transparenz bei der Bewerbung ökologischer oder sozialer Merkmale in vorvertraglichen Informationen“ darlegen müssen, müssen Artikel 9 Fonds „Transparenz bei nachhaltigen Investitionen“ bieten und diese anstreben. Aktuell wir regulatorisch weiter nachgebessert um zukünftig noch mehr Klarheit zu schaffen.

Artikel 9 Fonds als „Impact Fonds“?

So weit, so ein wenig verwirrend. Interessant: weder in Artikel 8, noch in Artikel 9 kommen die Worte „Wirkung“ bzw. „Impact“ vor. In der Branche hat sich für Artikel 9 Fonds dennoch rasch der Begriff „Impact Fonds“ etabliert.

Viele Fondsgesellschaften waren in Folge – um es höflich zu umschreiben – allerdings durchaus kreativ bei der Beschreibung ihres Impacts. Kein Wunder also, dass sich einige Artikel 9 Fonds-Anbieter nun mancherorts Kritik ausgesetzt sehen.

Risiko Impact Washing

 Und tatsächlich mussten etliche Anbieter, die ihre Fonds (vor-)schnell als Impact-Produkte tituliert haben, den „Artikel 9 Status“ wieder abgeben. Der Grund: die „Impact Washing“ Kritik – auch seitens der Aufsicht – wird immer lauter.

So macht das „FNG-Spezial: Impact“ deutlich, dass es für Finanzprodukte mit dem Label „Impact“ weit höhere Hürden gibt, als Berücksichtigung von ESG-Kriterien und unkonkrete Wünsche und Hoffnungen bezüglich erzielbarer Wirkung.

Fünf Kriterien für Impact Investing und Praxisbeispiele

 Vielmehr wurde erstmals branchenintern klar definiert, was „Wirkung“ bedeutet: bei Impact Investments geht es um Investitionen, die neben einer finanziellen Rendite auch einen positiven Beitrag zur Lösung von ökologischen und/oder sozialen Problemen leisten und zusätzlich fünf Kriterien erfüllen müssen:

  1. Intentionalität: Absicht zu einer nachhaltigen Transformation
  2. Additionalität: Positiver zusätzlicher Beitrag (zum Beispiel zu den SDGs)
  3. Wirkungskanäle: Erläuterung der direkten oder indirekten Wirkungskanäle
  4. Messbarkeit: Darlegung des positiven Beitrags anhand messbarer Kriterien
  5. Transparenz: Klar nachvollziehbare Berichterstattung über den erzielten Impact

Vor allem der letzte Punkt „Transparenz“ wird das Schlüsselkriterium sein. Verpflichtende transparente Berichterstattung soll es interessierten Anlegern ermöglichen, nachzuvollziehen, wie ernst es die unterschiedlichen Anbieter mit ihrem Impact Ansatz meinen.

 In weiterer Folge listet die Publikation Beispiele aus verschiedenen Assetklasen auf und analysiert diese anhand der fünf „Impact-Kriterien“. Aktienfonds werden ebenso vor den Vorhang geholt wie Anleihen- und Mischfonds; Immobilienfonds fehlen ebenso wenig wie Mikrofinanzfonds und Private Debt Beteiligungen.

 Fazit und Ausblick: blended finance

Der Megatrend „Impact Investing“ stand damals erst am Anfang und versprach enormes Wachstumspotential. Doch der Ukraine Krieg und die Unruhen im Nahen Osten haben der Euphorie einen Dämpfer versetzt. Kein Wunder also, dass die Debatte zum Thema „Impact Investing“ aktuell sehr kontroversiell geführt wird.

Ohne Zweifel sind aber „blended finance“ Modelle, die auch das FNG beschreibt ein zukunftsweisender Trend. Diese Ko-Finanzierungsmodelle stärken öffentlich-private Partnerschaften rund um die Finanzierung von Zukunftsfthemen und sind der nächste (Sub-)Megatrend am (nachhaltigen) Finanzmarkt!


Quellen:

FNG Publikation  „Impact in der Praxis“
Offenlegungsverordnung

Alexandra Bolena betreut seit über 20 Jahren institutionelle Anleger zum Thema „Alternative Investments“. Der Fokus der 2020 gegründeten „Bolena Impact-Investments“ liegt klar auf nachhaltigen Angeboten. Wissenstransfer zu ESG/SRI/Impact Investing, Lobbying, das Finden richtiger Anlagemöglichkeiten, sowie Beratung zu diesen Themen auf der einen Seite, die Suche und Vermittlung passender Investmentlösungen für institutionelle Anleger auf der anderen Seite sind Schwerpunkte der Tätigkeit. Weiters betreut Alexandra Bolena innovative Unternehmen (Schwerpunkt Renewables, Clean-Tech und Circular Economy), für die Kontakte in der internationalen (Venture Capital) Impact Szene geknüpft werden. Nationale und internationale Workshops, Seminare Lehraufträge, Moderationen, Fachkommentare (u.a. Akademie für Recht und Steuern, IMH, Forum Alpbach, SIS Konferenz, Gewinnmesse, diverse Fachhochschulen,) und das 2021 erschienene Buch „Nachhaltig Investieren für Dummies“ (Wiley Verlag) unterstreichen Alexandra Bolenas Expertise, wenn es um das Thema „sustainable finance“ geht.

  • Zertifizierter En-Roads-Ambassador von MIT- Climate Interactive
  • Mitglied der Deutschen Bundesinitiative Impact Investing
  • Gründungsmitglied von IINA (Impact Investing Network Austria)
  • Mitglied der Dorda „ESG Professional Group“
  • FNG Mitglied
  • EUROSIF Mitglied
  • Mitglied im ISO Komitee 251 CSR
  • Prüfgutachterin für UZ 49 (Umweltzeichen „Nachhaltige Finanzprodukte“)